Die Betroffenheit eines Angehörigen – oder steht der Beutel zwischen uns?

Zuerst stand eine Diagnose im Raum. Sie kam plötzlich und lebensbedrohend daher.
Bedeutungsvoll war der Einschnitt im Alltag. Der Krebs hatte die Mitte unseres Lebens eingenommen, nichts war wie früher.

Betroffenheit ist ein Wort, hinter dem sich so vieles verbirgt. Da war die unbeschreibliche Angst um die geliebte Partnerin, die Hilflosigkeit und zunehmend das Gefühl draußen zu sein, ausgeschlossen aus der Erkrankung und dem Krankheitsverlauf. Dennoch wurden alle Kräfte mobilisiert, galt es doch, der Partnerin Mut und Hoffnung zu geben.

Stunden vor der Operation war ich hilflos geworden und machte mir eindringlich klar, dass meine Partnerin in „guten Händen“ sei und nun medizinische und pflegerische Hilfe bekam.
Ich konnte nichts mehr tun, ging nach Haus und fühlte mich in meiner Angst allein gelassen.

Die Operation verlief gut und in mir wuchs die Hoffnung und das Vertrauen in das Leben danach. Dies musste ich meiner Partnerin mitteilen und ihr die Zuversicht verschaffen, dass wir uns gemeinsam in den Alltag aufmachen und uns weiterhin so wollen wie wir jetzt sind.

Der Alltag aber stellte sich uns mit vielen nie bedachten Problemen dar. Es dauerte einige Zeit, bis die richtige, d.h. passende Stomaversorgung gefunden war und dennoch kann es vorkommen, dass die Versorgung nicht richtig sitzt und aufgrund von Leckagen die Haut unter der Platte wund wird. In diesen Momenten entstehen solche Fragen wie: „Warum ich?“, „Wie soll das werden?“ oder „Was ist das bloß für ein elendes Leben!“

Als Angehöriger möchte ich diese Last abnehmen, aber wie? Ein Zuspruch wie „das wird schon wieder“, klingt in dem Moment, in dem ich ihn denke oder ausspreche leer. Empathie ist sicher hilfreich aber zwischen dem Mitfühlen und den Gefühlen des Betroffenen bleibt ein schier unüberbrückbarer Graben.
Manchmal konstatiere ich Veränderungen wie die, dass die Partnerin mürrischer und ungeduldiger mit mir geworden ist. Wie kann ich ihr helfen, wie mich ausgleichend verhalten? Manchmal ertappe ich mich selbst dabei, wie ich gereizt reagiere. Dann steht „das Stoma“ zwischen uns. Dabei gibt es doch so vieles das wir gemeinsam geschafft haben und auch noch gemeinsam erleben wollen.
Der Kontakt zu Gleichbetroffenen und die Gespräche aus der Betroffenheit heraus haben uns sehr geholfen und uns ermutigt, gemeinsam das Leben mit dem Stoma anzunehmen und zu leben.

Im Mittelpunkt der Beziehung zwischen Betroffenen und Angehörigen sollte das WIR stehen.
Miteinander über Empfindungen und Bedürfnisse ohne Scheu auf gleicher Ebene reden und gemeinsame positive Erlebnisse schaffen, so lässt sich der Alltag lebenswerter und liebenswerter gestalten.

Leicht gesagt, aber aller Anstrengung wert !